Wie Du anstrengende Asanas mit Leichtigkeit meisterst

Komplexe Anleitungen für Asanas können überfordern: Fuß hier hin, Knie dort hin, der Beckenboden … bitte, was?

 

Wenn ich unterrichte, achte ich in erster Linie darauf, dass sich meine Schüler*innen nicht verletzen; in zweiter Linie, WIE meine Schüler*innen atmen. Denn im Yoga beschreiben wir die Atmung mithilfe zweier Sanskrit Wörter: "prana" (Lebenskraft) und "yama" (Kontrolle). Dass hier von purer Lebenskraft gesprochen wird, verrät schon: Der Atem ist ein wahrer Geheimtipp und echtes Powertool!

 

Gerade in anstrengenden oder lang gehaltenen Asanas tendieren wir dazu, gestresst zu atmen, das heißt kurz und flach. Das Blöde dabei ist: Diese Art der Atmung versetzt unser System zusätzlich in Stress, unser sympathisches Nervensystem wird stimuliert und unser Körper ist auf Flucht und Kampf ausgerichtet. Klingt nicht besonders nach Yoga und Entspannung, oder? Damit wir also auch in einer körperlich herausfordernden Praxis wie wir sie im Ashtanga Yoga üben, ruhig und entspannt bleiben, nutzen wir den Atem ganz bewusst mit der Ujjayi Atmung. Der Rauschende Atem bringt Ruhe und Gelassenheit in die Praxis.

 

Aber warum ist das so? Der Atem kontrolliert den Geist, der Geist kontrolliert den Körper.

Der Atem beeinflusst direkt deine Bewegung, deine gesamte Ausrichtung im Körper.

Wenn wir uns auf den Atem konzentrieren, bringen wir unsere Wahrnehmung zu unserem Körper. Dadurch nehmen wir auch automatisch kleinste Veränderungen wahr, zelebrieren einzelne Aspekte einer Bewegung bewusster und können auch detailgenau handeln. Wo vorher mit purer Kraft in eine Asana gebretzelt wurde, können nun die einzelnen Aspekte der Ein- und Ausatmung genutzt werden, um sicherer, bewusster und effizienter zu praktizieren.

 

Das effektivste Tool, um Dich auch während anstrengender oder aber auch “langweiliger” Asanas auf Deinen Atem zu konzentrieren, ist wie bereits gesagt die Ujjayi Atmung. Diese leitet sich von einer eigenen Pranayama-Atemübung (dazu mehr im nächsten Blog) ab. Für die Profis unter Euch mit Ayurveda-Background: Ujjayi Atmung harmonisiert bzw. reduziert Kapha und Vata in Deinem System (mehr dazu hier). Auf medizinisch bedeutet das: Dein parasympatisches System wird aktiviert. Und auf deutsch: Dein Körper entspannt sich. Denn nicht umsonst nennen wir Yoga auch "Meditation in Bewegung".

 

Probier die Ujjayi Atmung gleich aus! Lasse ein leises, doch volles Oooommmm erklingen. Dann versuche dieses Ooommm zu flüstern, ohne dass es an Fülle verliert. Spürst Du das Rauschen hinten in Deiner Kehle? Das sind Deine Stimmritzen, welche sich hier verengen und Dir ermöglichen, länger und kontrollierter ein- und auszuatmen. Versuche nach ein paar geflüsterten Ooommms die Stimmritzel auch bei der Einatmung verengt zu lassen. Hörst Du das Meeresrauschen in Deiner Kehle? Das ist die Ujjayi Atmung.

 

Viel Spaß beim Atmen,