Wie Dein Atem Dich zum Yogi macht

Warst Du schon einmal in einer Yogastunde, in der alle ganz laut geatmet haben? Lautes Rauschen aus der Kehle, man spürt quasi die Energie im Raum und in jedem einzelnen Yogaschüler. Ich muss sagen: Ich hatte beim ersten mal Gänsehaut.

 

Atmung ist im Yoga ein großes Thema, wenn nicht sogar das größte. Bevor Yoga eine Körper-Disziplin wurde, waren mit Asanas, also Yoga-Übungen, vor allem Atem- und Meditationstechniken gemeint (Pranayama). Mithilfe dieser wollten die alten Yogis ihre Konzentration stärken und einen Zugang zu ihrem Inneren finden. Diese Yogis fanden heraus, dass sich über den Atem nicht nur das körperliche, sondern auch das psychische System beeinflussen lässt – das gesamte Nervensystem. Als später auch Körperasanas zum Yoga hinzukamen, wurde der Atem natürlich nicht vergessen. Kennst Du den Begriff "Vinyasa"? Das bedeutet frei übersetzt soviel wie „Synchronisation von Atem und Bewegung“.

 

In dynamischen Yogastunden leitet der Atem Dich von Asana zu Asana, von Bewegung zu Bewegung. Der Atem ist der Rote Faden, denn ohne ihn ist Yoga eigentlich nur Hindu-Gymnastik. Wir nutzen den Atem ganz gezielt als Instrument. Einerseits, um mithilfe dieses Roten Fadens unsere Yogapraxis zu strukturieren, andererseits um unsere Achtsamkeit und Konzentration zu schulen.

Hast Du beim Yoga schon mal Deinen Atem vergessen und erst wieder darauf geachtet, als Dein*e Yogalehrer*in darauf hingewiesen hat? Das Abgefahrene ist ja: Je stärker Du Dich auf Deine Atmung konzentrierst, desto intensiver bist Du im Hier und Jetzt. Und je mehr Du im gegenwärtigen Moment bist, desto intensiver konzentrierst Du Dich und desto bewusster nimmst Du Deinen Atem war. Das Abgefahrene daran ist nicht nur, dass sich all das gegenseitig bedingt, sondern auch, dass es nicht nur im Yogaunterricht wirkt, sondern auch im Alltag.

 

Ich merke das immer ganz ausgeprägt in Momenten, in denen mir wortwörtlich „der Atem stockt“. In akuten Stresssituationen, wenn mir „die Luft wegbleibt“. Als geübte Ashtangi verfalle ich nach einem kurzen Schockmoment dann automatisch in die Udjaii-Atmung. Die laute Rausche-Atmung. Das liegt einerseits daran, dass ich mit dieser Atmung automatisch den geklärten und ausgeglichenen Gemütszustand bei und nach dem Yoga verbinde und andererseits mir diese Art der Atmung ein Gefühl der Kontrolle in überfordernden Situationen vermittelt. So beeinflusse ich über meine Atmung mein gesamtes Nervensystem, um mich aus der Schockstarre in den achtsamen “Mach-Modus” zu bringen.

 

Das bedeutet: Du kannst Deine Atmung nutzen, um Dich gezielt zu entstressen und zu entspannen. Probier’s aus und frage Dich während des Tages selbst: Wie atme ich gerade? Ist mein Atem eher tief oder flach? Schnell oder ruhig? Atme ich länger ein oder länger aus? Nutze Deinen Atem und beobachte Dich, um herauszufinden, welches Dein vorherrschendes Atem-Muster ist. Es ist ganz gleich, wie Deine Antworten ausfallen werden, denn sobald Du Dich mit Deinem Atem beschäftigst, bist Du in der Gegenwart. Deine Atmung wird sich positiv verändern. Genau wie in der Yoga-Stunde, wenn bewusst fünf Atemzüge in einer Asana verweilst, kannst Du auch im Alltag den Rhythmus verändern.  

 

Ist das nicht genial und super praktisch? Denn Deinen Atem hast Du immer dabei! Lass uns hier oder in den Facebook-Kommentaren wissen, wie Du Deinen Atem im Alltag wahrnimmst und ob und wie Du ihn auch außerhalb des Yoga für Dich nutzt.

 

Also: Erstmal tief durchatmen!