Reicht eine 200 Std Yogalehrer-Ausbildung, um zu unterrichten?

Ich finde, das ist eine berechtigte Frage. Wenn man einmal den Alltag in Yogastudios betrachtet, wo die Schüler mit Burn-Out, Bandscheibenvorfällen und frischen Knie-OPs auf der Matte landen, weil sie vom Arzt geschickt wurden. Es kommt unweigerlich die Frage auf, ob ein Yogalehrer, der 200 Std Ausbildung genossen hat, qualifiziert genug ist, diese Arbeit zu machen.

 

Ganz ehrlich - nein ist er nicht...

Ein frisch ausgebildeter Yogalehrer der nicht zufällig auch Physiotherapeut oder Ostheopat ist oder eine sonstige Vorbildung hat, ist nicht dazu befähigt, Bandscheibenvorfälle mit Yoga zu behandeln. Ich würde stark davon abraten alle 200 Std. Yogalehrerausbildungen, die das promoten, zu buchen. Eine solche Expertise zu erlangen braucht einerseits deutlich mehr Stunden Training und andererseits auch eine ganze Menge an Erfahrung.

 

Heißt das jetzt, man kann nach einer 200 Std. Ausbildung gar nicht unterrichten?

Nein, dass heißt es natürlich auch nicht. Na klar kann man sich vor Menschen stellen und mit denen eine Yogaklasse machen. Du wirst auch je nach Schwerpunkt der Ausbildung unterschiedlichste Formate unterrichten können: Workshops, Spezialklassen und Retreats anbieten können.  Du wirst definitiv einen großen Sprung in Deiner eigenen Praxis machen und diese Erkenntnis an Deine Schüler weitergeben können. Was allerdings für die Auswahl der Yogalehrerausbildung wichtig zu wissen ist: was wird in der Ausbildung tatsächlich vermittelt und was willst Du eigentlich lernen. Wenn Du gerne ein Yogatherapeut werden willst der qualifiziert ist, auch komplexe Beschwerdebilder sicher zu begleiten, musst Du nur wissen, dass die 200 Std. Basisausbildung nach den Standards der Yoga Alliance dafür nicht ausreichen. Dafür gibt es 300 Std. Yogalehrerausbildungen und Yogatherapieausbildungen in denen man tiefer in diese Themen einraucht.

 

Aber was wenn die Bandscheibenvorfälle trotzdem in meinem Unterricht landen…?

Tja, dafür braucht es dann eine andere Art von Ausbildung. Denn Du wirst es eben nicht vermeiden können. Wichtig ist, dass in der 200 Std. Yogalehrerausbildung auch vermittelt wird wie Du damit umgehst, wenn Du für etwas nicht ausgebildet bist. Wie hältst Du einen sicheren Rahmen in der Klasse, ohne ausserhalb Deiner Expertise zu unterrichten und auch ohne Deine Schüler zu verprellen. Wie gehst Du im Unterrichtsalltag mit herausfordernden Situationen um? Wie kannst Du diese Art von Situationen steuern, sodass es für alle funktioniert? Das sind Fragen die in eine 200 Std. Ausbildung gehören. Denn…

 

Natürlich reichen 200 Std. Yogalehrerausbildungen zum unterrichten!

Aber halt nicht für alles. Wichtig ist - und darauf müsstest Du bei der Auswahl Deiner Ausbildung achten - dass unterschiedlichste Bereiche abgedeckt werden. Hier sind die Dinge, die wichtig sind um Dich optimal auf das Unterrichten vorzubereiten:

 

Deine eigenen Yogapraxis nach vorne bringen

Dein Unterricht basiert auf der Qualität Deiner eigenen Praxis. Daher sollte die eigene Praxis auch einen Teil der Ausbildung ausmachen.

 

Anatomisches Basiswissen

Und zwar einerseits um präzise und sicher anleiten zu können, aber auch dafür, dass Du genau weisst wo Deine eigenen Grenzen sind um Dich dann zurück zu halten.

 

Unterrichtserfahrungen sammeln

Du musst Dich sicher fühlen um sicher unterrichten zu können. Dafür ist die wichtigste Grundlage Unterrichtserfahrung. Wenn Du die 200 Std. nur “trocken” im Klassenraum übst, ist der Schritt in die Unterrichstrealitiät zu groß!

 

Schulung darin, Deine Grenzen wertzuschätzen

Du solltest lernen, wie Du Deine Grenzen erkennst und wie Du im Unterrichstalltag mit ihnen umgehst, sodass es für Dich und auch für Deine Schüler funktioniert.

 

Schulung darin, einen sicheren Rahmen zu kreieren

Du musst lernen, wie Du einen sicheren Rahmen kreierst. Insbesondere welchen Einfluss Dein Auftreten, Dein Vornestehen und alles, was Du sagst und tust, oder auch nicht sagst und tust, auf die Klasse hat. Und dann brauchst Du Training darin, wie und welcher Rahmen für Dich und Deine Schüler am besten funktioniert.

 

Wissen, was Du nicht weißt

Das ist für Dich super wichtig, damit Du das in Deinem Unterricht gut abgrenzen kannst. Wenn aber schon die Ausbildungen Dir das blaue vom Himmel versprechen, wäre ich eher vorsichtig. Denn wenn die nicht eindeutiger benennt, was Du nicht lernen wirst, dann wird es Dir auch nicht beigebracht!

 

Weiterbildungsmöglichkeiten - Assistenzen

Für die Praxis-Erfahrung ist das Assistieren von einem erfahrenen Lehrer im Unterricht die optimale Möglichkeit. Auch das sollte ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung sein. Und wenn Du diese Arbeit liebst, dann nutze einfach weiter Möglichkeiten um Dich fortzubilden. Mache Workshops, setze Schwerpunkte, nimm Dir vor, vielleicht weitere 300 Std. zu machen um besser, sicherer und erfahrener zu werden in Deinem Unterrichten.

 

Das Fazit:

Klar kannst Du nach einer 200 Std. Yogalehrerausbildung unterrichten. Nach den meisten zumindest. Wenn Du die Kriterien, die ich oben aufgeführt habe beachtest, dann wird es Dir leicht fallen. All das war auch bei der Konzeption unserer 200 Std. Ausbildung die Grundlage. Wir haben uns immer an der Fragestellung orientiert: Wie können wir die Ausbildung gestalten, um die Azubis optimal auf den Schritt vorzubereiten, direkt zu starten und das ohne den Sicherheitsaspekt außen vor zu lassen! Wir glauben, dazu gehört eine ganze Menge. Was wir auch glauben, ist dass einige für eine Ausbildung bereit sind und einige auch nicht. Um das herauszufinden, nehmen wir uns die Zeit um mit jedem Bewerber ein 1-1 Gespräch zu führen. Da finden wir heraus wo der Schüler steht und ob eine Yogalehrerausbildung ein sinnvoller nächster Schritt ist. Und wir sagen auch ganz klar, wenn wir das nicht für sinnvoll halten. Auch wenn das bedeutet, dass wir weniger Teilnehmer in der Ausbildung haben.

Wenn wir glauben das passt, legen wir Wert auf Persönlichkeitsschulung, bei uns in der Ausbildung sind es Coaching Einheiten, um sich selbst klar zu erkennen und zu positionieren mit dem was man kann und eben auch nicht kann. Wenn Du genau dort stehst, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen!

 

Also - viel Spaß beim Unterrichten!

Liebe Grüße, Deine Dana.

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