Das Geheimnis der Bandhas, oder: die Antwort auf alle Yogafragen.

Was hat es eigentlich mit den Bandhas auf sich?

Hast Du Dich schon mal gefragt, wie die Yogaprofis in den Videos so federleicht über die Matte fliegen? Oder wie es sein kann, dass es Menschen gibt, die in den wackeligsten Yogapositionen stehen wie der Fels in der Brandung? Oder wie es sein kann, dass es Menschen in den wildesten Asanas gibt und die davon keine Rückenbeschwerden oder sonstiges bekommen?

 

Die Auflösung dieser Mysterien heißt: Bandhas.

 

Vielleicht hast Du Deinen Yogalehrer schon mal sagen gehört “setz mal Deine Bandhas” oder “spann die Bandhas mehr an”. Oder hast selbst in Deiner Yogalehrerausbildung angefangen, mit den Bandhas zu arbeiten und festgestellt, dass es deutlich komplexer ist als einfach nur anzuspannen! Da ich immer wieder mitbekomme, dass die Bandhas für Yoganeulinge, aber auch für Yogis, die schon einiges an Erfahrung mitbringen, schwer greifbar sind und dadurch die Praxis nicht nur schwerer, sondern auch gefährlicher wird, dachte ich, es muss mal Bandha-Aufklärungsarbeit geleistet werden.

 

Was ist eigentlich ein Bandha?

Aus dem Sanskrit übersetzt heißt es “fesseln, binden, halten, Schloss, Siegel, Ventil”. Es geht also darum, irgendetwas zu festigen oder zu verschließen. Die Bandhas wirken auf unterschiedlichsten Ebenen. Im Pranayama werden sie zur Energielenkung eingesetzt. Für jetzt konzentriere ich mich vor allem auf die rein physische Ebene. Die ist für uns alle am einfachsten greifbar und auch umsetzbar. Es gibt mehrere Bandhas – für uns, bezogen auf die Asana-Arbeit, sind Mula Bandha und Uddiyana Bandha am wichtigsten. Mula Bandha ist auf der körperlichen Ebene eine leichte Spannung im Beckenboden und Uddiyana Bandha eine Kontraktion um untersten Bauch.

 

Wenn Du in Deine erste Yogastunde kommst, wird wahrscheinlich einfach nur gesagt, spanne den Beckenboden an und ziehe den Bauch ein. Aber um die Bandhas wirklich effektiv und gezielt einzusetzen, braucht es ein paar mehr Informationen und auch etwas Übung. Beide Bandhas sorgen für Leichtigkeit auf der Matte und in allen möglichen Positionen für Stabilität in Deiner Wirbelsäule.

 

Lasst uns mal mit Mula Bandha starten.

Um Mula Bandha genauer zu erforschen, braucht es einen Workshop und Übungen und genaue Anweisungen. Denn der Beckenboden besteht aus mehreren Schichten, die Du separat voneinander ansteuern kannst. Was für diesen Artikel erst mal reicht, ist mein Lieblingsbild. Stell dir vor, Du hast ein Taschentuch mit vier Ecken. Eine Ecke liegt am Schambein, eine am Steißbein und die anderen beiden an den jeweiligen Sitzbeinhöckern. Und jetzt hebst Du ganz sanft die Mitte des Taschentuchs an. Versuch’s mal! Mir und vielen meiner Schüler hat dieses Bild super gut geholfen, um einen intuitiven Zugang zu diesem Bandha zu bekommen.

 

Wie sieht es aus mit Uddiyana Bandha?

Auch hier ist es sinnvoll, unter Anleitung eines Lehrers mehrere Übungen auszuprobieren und dieses komplexe Bandha aus verschiedenen Richtungen zu beleuchten, um es wirklich zu verstehen. Für jetzt auch hier ein Bild, was Dir vielleicht hilft: Stelle Dir vor, Du hast eine Jeans, die auf der Hüfte sitzt. Allerdings ist die zwei Nummern zu klein und Du versuchst, den Knopf zu zu machen. Es ist, als wenn sich die beiden Beckenschalen vorne zueinander bewegen. Gleichzeitig lass’ in Deinem Becken ein Gefühl von nach innen und oben entstehen.

 

Interessant ist, dass beide Bandhas super gut zusammen arbeiten. Oft ist es so, wenn Du das eine ansteuerst, macht das andere gleich mit. Bandhas sind in allen Positionen wichtig. Einerseits natürlich, um Stabilität und Leichtigkeit zu schaffen und um Verletzungen vorzubeugen. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Teil der Yogapraxis, der die Turnerei zum Yoga werden lässt. Denn in den meisten Positionen kommen die Bandhas nicht automatisch, sondern Du brauchst ein gewisses Maß an Achtsamkeit und Konzentration, um sie zu halten und nicht wieder zu verlieren. Das verankert Deinen Verstand automatisch im Hier und Jetzt. So dienen die Bandhas auch als Tool für Dein mentales Training auf der Matte. Probier’s mal aus und widme einen Teil Deiner Aufmerksamkeit in jeder Position den Bandhas! Und Du wirst erstaunt sein, wie viel intensiver Deine Praxis nicht nur auf körperlicher Ebene wird.

 

 

Ich wünsche Dir fröhliches Ausprobieren und bin gespannt, ob die Infos hilfreich für Dich und vielleicht Deine Schüler sind. Lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

Liebe Grüße,